Erschienen
06.10.2015
Kategorien
Mitarbeiterstories

Kalligraphiekurs

Wie? Mein „a“ soll zu rund sein? Das war es doch bisher noch nie…

Aber bisher habe ich Buchstaben auch einfach immer nur geschrieben, statt sie nach den bestimmten Regeln einer vorgegebenen Schriftart zu konstruieren. Hier sitze ich also in meinem VHS-Kalligraphiekurs, übe fleißig meine „as“ und fühle mich ein wenig wie in der 1. Klasse. Wir sind sage und schreibe 16 Teilnehmer, so viele hatte die Dozentin schon lange nicht mehr. Und das Starterfeld ist bunt gemischt, die Hälfte der Kalligrapielehrlinge sind Männer, wer hätte das gedacht!

Die Kunst des schönen Schreibens, die Kalligraphie, ist eine alte Fertigkeit, bei der es darum geht, in fast meditativer Weise Schrift zu zelebrieren. Das „Schönschreiben“ aus der Schule – das leserliche Schreiben, hat damit nichts zu tun.  Es geht um das Sichtbarmachen von Emotionen, um ästhetische Ausgewogenheit im Schriftbild und um das Finden von eigenen Schriftrhythmen.

Kalligraphie lässt zur Ruhe kommen – schnell mal so nebenbei einen Text runterkritzeln, das funktioniert nicht. Und Kalligraphie ist anstrengend – die Konzentration und die Spannung der Hand muss aufrechterhalten werden. Schließlich muss die Feder in der exakten Schräglage geführt werden, damit das Schriftbild stimmt.

Schreiben macht mir Freude, es liegt mir auch – mit Kreide und Stiften bearbeite ich daher schon seit einiger Zeit die Tafeln bei uns im Store und deshalb hab ich mich auch besonders gefreut, als mir dieser Kurs angeboten wurde. Hier kann ich Fertigkeiten verbessern und Neues lernen. Dass aller Anfang schwer ist, wird mir wieder deutlich bewusst, aber so langsam sehen die Buchstaben wirklich brauchbarer aus – ich wage mich an Wörter und kleine Texte… und siehe da: Das Ergebnis kann sich immer mehr sehen lassen. Das motiviert zusätzlich und bestärkt mich in der Absicht, meine neu erworbenen Kenntnisse nach diesem Kurs nicht wieder einschlafen zu lassen. Kalligraphieübungen werde ich in meinen Alltag integrieren. Ich will die Kalligraphie nutzen, um abzuschalten und innerlich ruhig zu werden. Und selbstverständlich will ich auf unseren Tafeln neue Schrifttypen ausprobieren und kreativ umsetzen.

Vielleicht lassen sich da ja auch mal meine runden „as“ wieder blicken. 

Ihr Stephan Ott